Anstatt-Turnfest-Wochenende

Es ist der 20. Juni 2020. Die Aktiven Frauen und die Männerriege Wohlen-Murzelen haben sich die neuen Tenüs übergestreift. Auf dem Rasenplatz beginnt das Einturnen. Den Wettkampf will man gut aufgewärmt beginnen. Schliesslich hat man seit den Frühlingsferien die neuen Fit & Fun-Disziplinen geübt und will jetzt zeigen was man kann.

So in etwa hätte der Bericht beginnen können, wenn nicht so ein kleiner Virus die ganze Welt zungerobsi gebracht hätte…

Einen Sommer ganz ohne Turnfeste, ohne gemütliches und lustiges Zusammensein – das konnte ich mir nicht vorstellen. Mein Vorschlag, ein Anstatt-Turnfest-Wochenende durchzuführen, kam bei den Aktiven Frauen, welche am Turnfest gestartet wären, gut an. Das Datum war quasi gegeben: 20./21.06.2020. Da wären wir in Kirchlindach gestartet und jede hatte sich dieses Datum in der Agenda reserviert gehabt. Dank dem, dass Sandra ihren Einsatz im Sternen Detligen verschieben konnte und Regula ihren Geburtstag um einen Tag vorgefeiert hat, konnten alle mit dabei sein. Mit zwei Autos fuhren wir nach Grindelwald. Die Autos liessen wir im Parkhaus stehen. Vor dem Sportzentrum packte Sandra M. aus I. bereits das erste Apero aus. Mit Sanbitter und Salzstengeli warteten wir, bis jede das Hüsli aufgesucht hatte und unser Postauto eintraf.
Zum Glück hatten sie in Grindelwald vorgesorgt und es fuhren zwei Poschis in Richtung Grosse Scheidegg. Es waren doch einige Leute mit uns unterwegs. Oben angekommen, wollten die einen sofort losmarschieren, bis doch noch der Einwand kam, ob man nicht zuerst noch ein Kafi trinken könne im Restaurant Grosse Scheidegg. Da es keine Widerrede gab, kehrte man kurzerhand um und machte es sich auf dem Bank vor dem Restaurant gemütlich. Da scheinte auch noch die Sonne… Carmen packte Schaumküsse aus (diese sind wohl eher unter dem Begriff Mohrenköpfe bekannt), welche sofort Anlass zu Diskussionen gaben. Gegessen wurden sie trotzdem.
Nach der ersten kleinen Stärkung begann unsere Wanderung in Richtung First. Wandern und lafere, was will frau mehr? Etwa nach der Hälfte der Marschzeit fand Regula ein Plätzli, bei dem sie uns ihr Geburtstagsapero offerieren wollte. Rüebli, Gurken, Lachs- und Fleischbrötli und natürlich Appenzeller!

Danach nahmen wir den Wanderweg Richtung First weiter in Angriff. Das Wetter verschlechterte sich leider immer mehr und am Himmel war nicht mehr viel Blau zu sehen. Als wir bei der First ankamen, fielen die ersten Regentropfen. Da der Picknick-Raum wegen Corona geschlossen war, durften wir gegen eine kleine Konsumation unser Mitgebrachtes im Restaurant essen.

Unsere Wanderung war hier aber noch nicht zu Ende. Unser Ziel war das Berggasthaus Waldspitz. Da es nun aber wie aus Kübeln schüttete, liessen wir den Umweg über den Bachalpsee sein und peilten den kürzesten Weg an. Der Regen liess unterwegs zum Glück wieder nach, so dass wir uns bei einer kleinen Alp entschieden, ein weiteres Apero einzunehmnen. Regula zauberte weitere Dinge aus ihrem Rucksack. Ein kurzer Graupelschauer zwang uns bei einem der Häuser unterzuschlüpfen. Aber mit diesen 9 Frauen ist es wie mit dem Haarspray 3-Wetter-Taft: Die Sonne brennt, die Freundschaft hält. Es windet und stürmt, die Freundschaft hält. Der Regen fällt, die Freundschaft hält.

 so oder so

Um ca. 16 Uhr trafen wir beim Berggasthaus Waldspitz ein und – die Sonne schien wieder. Gastgeberin Heidi zeigte uns unser Zimmer. Da wir das Gefühl hatten, bei diesem Wetter könnten wir nun doch noch eine kleine Runde wandern, gab uns Heidi eine Route an. Und wie du vielleicht bereits ahnst: während dem Wandern begann es wieder zu regnen.
Das (wievielte?) Apero nahmen wir aber wieder auf der Terrasse des Berggasthauses ein – Blick auf Eiger und Wetterhorn.

Die Betten anziehen (wir waren die einzigen Übernachtungsgäste), duschen und frisch machen fürs Znacht. Chrigel schwang den Kochlöffel: Suppe, Steak mit Gemüse und Teigwaren und zwei Kugeln Glace zum Dessert. Die Gaststube war gut besetzt. Und seit unserem Ausflug wissen wir, dass nicht alle glücklich aussehen, die frisch geheiratet haben. Vielleicht in dunkler Vorahnung was da kommen mag?! Als René und Stefan Aeschlimann eintrafen, um Regula abzuholen (sie hatten am Sonntag noch einen Metzgerei-Ausflug), sassen wir bereits beim Marillen-Schnaps.

Am nächsten Morgen schien von Anfang an die Sonne. Wir stärkten uns beim kleinen aber feinen Frühstücksbüffet. Betten abziehen, Rucksack packen, Foto-Session vor dem schönen Berg-Panorama und los geht es in Richtung Bussalp. Leider haben wir den Abzweiger verpasst, den uns Chrigel angegeben hatte. Zum Glück kannte sich Sandra aus und konnte uns – auch dank der Schweiz-mobil-App- auf den richtigen Pfad führen.
Im Rasthysi gab es nochmals einen Kaffee-Stop. Nur unter Murren durften wir uns an den Stammtisch setzen. Da keiner der Stammgäste eintraf, durften wir sitzen bleiben.
Wir stiegen nicht ganz zur Bussalp hoch, sondern nahmen den Abstieg in Richtung Grindelwald Dorf. Unterwegs erkannte Sandra das Hüttli von Amacher Werner. Für uns ein Grund dort anzuhalten und das Mittagessen einzunehmen.

Weiter ging es bergab durch Wiesen und mit schöner Aussicht. Beim Wandern ergaben sich immer wieder andere Grüppli. So konnte man nach der Corona-Zeit endlich wieder einmal ausgiebig miteinander plaudern. Jedenfalls fanden alle, dass man so einen Ausflug gut wiederholen könne. Ob sich jedoch so leicht wieder ein Datum finden lässt, wie in diesem Jahr, das sei dahingestellt. Ihr werdet es erfahren…

Carol